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Inkontinenz:
Leiden aus Scham
Über viele
Erkrankungen sprechen Betroffene heute ganz offen - doch eine gehört
nicht dazu: Inkontinenz. Selbst das Gespräch mit ihrem Arzt suchen
Patienten oft erst dann, wenn der Leidensdruck übermächtig wird.
Anlässlich der Welt-Kontinenz-Woche vom 21. bis 27 Juni, die von
der Deutschen Kontinenz Gesellschaft unterstützt wird, findet im
Kplus Forum Solingen an der St. Lukas Klinik das Patientenforum
"Tabuthema Inkontinenz" statt. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Klaus
Meinen, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe an der St. Lukas
Klinik, über Ursachen, Folgen und die Möglichkeit der Heilung
Heute wird
doch fast über alles gesprochen. Warum ist Inkontinenz immer noch
ein solches Tabu?
Prof. Dr. Klaus Meinen: Urin oder Stuhl nicht halten zu können,
die Kontrolle über seinen Körper zu verlieren, ist einfach unangenehm.
Und es ist leider immer noch nicht bekannt genug, dass Inkontinenz
behandelbar - heilbar - ist. Damit ist dann auch wieder ein normales
Leben möglich. Wir müssen einfach über Inkontinenz reden. Deshalb
beteiligen wir uns an der Welt-Kontinenz-Woche. Wir wollen Wege
aus der Tabuzone aufzeigen. Nicht nur Patienten müssen sich trauen,
über ihr Leiden zu sprechen, auch Ärzte sollten aktiver auf Patienten
zugehen. Schweigen hilft niemandem. Im Gegenteil: Vielfach führt
die Scham zu einer sozialen Isolation, weil die Betroffenen oft
in Panik verfallen, wenn sich keine Toilette in unmittelbarer Nähe
befindet.
Ist Inkontinenz
denn eine Art Volksleiden?
Prof. Dr. Klaus Meinen: Ja, das kann man sicher sagen. Etwa jeder
zehnte Erwachsene leidet in Deutschland unter Harn- oder Stuhlinkontinenz.
Betrachtet man nur die Frauen nach den Wechseljahren steigt die
Zahl sogar auf über 40 Prozent. Ursachen dafür sind hormonelle Defizite
in den Wechseljahren, eine durch Schwangerschaft und Geburten verursachte
Schließmuskelschwäche oder eine allgemeine Muskel- und Gewebeschwäche
im Alter. Bei der Stuhlinkontinenz kann beispielsweise ein Defekt
in der mechanischen Schließfähigkeit der Beckenbodenmuskulatur vorliegen
oder die Nerven können geschädigt sein.
Kann man
einer Inkontinenz vorbeugen?
Prof. Dr. Klaus Meinen: Meist ist die Ursache ein schwacher Beckenboden,
der die inneren Organe wie eine Hängematte stützt. Diesen Muskel
kann man trainieren und so stärken. Reicht das nicht mehr aus können
Operationen helfen, bei denen über kleine Einschnitte ein Kunststoffnetz
eingebracht wird, dass die stützende Funktion der Beckenbodenmuskeln
und -bänder übernimmt. Diese Operationen können wir bis ins hohe
Alter durchführen, da sie für den Körper wenig belastend sind.
Tabuthema Inkontinenz
Patientenforum zum Welt-Kontinenz-Woche
Montag, 21. Juni 2010, 16 Uhr
Kplus Forum Solingen an der St. Lukas Klinik Schwanenstraße 132
in Solingen-Ohligs
Referent. Prof. Dr. Klaus Meinen, Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
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